vom Präsident des Gustav-Adolf-Werkes

Liebe Gemeinde in Waldbröl,

Ihr Pfarrer, Sandor Molnár, hat mich eingeladen, in Ihrem Gottesdienst am 6. September die Predigt zu halten und ich habe gern zugesagt. Begegnet sind wir uns bei einer Veranstaltung des Gustav-Adolf-Werks (GAW), wo wir beide engagiert sind. Das Gustav-Adolf-Werk ist das Diasporawerk und als solches das älteste Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Gustav-Adolf-Werk. Viele Ältere denken wehmütig an gut besuchte Jahresfeste und große Spendenaktionen zurück. Andere erinnern sich an die kleinen Papiertütchen, in die die Konfirmierten die am Tag ihrer Konfirmation gesammelten Spenden, die „Konfirmandengabe“, legten. Hier hat sich – wie auch sonst in Kirche und Gesellschaft – viel verändert. Eines allerdings hat sich seit der Gründung des Werkes im Jahr 1832 nicht verändert: der Spendenzweck. Mit den ihm anvertrauten Spendenmitteln unterstützt das Gustav-Adolf-Werk evangelische Kirchen, die in der Diaspora leben („Diaspora“ ist das griechische Wort für „Zerstreuung“). Oft sind diese Kirchen winzig klein und die Gemeindeglieder müssen sehr weite Wege zum Gottesdienst und anderen Gemeindeveranstaltungen zurücklegen. Das GAW sammelt Geldspenden, damit dort Dächer von Kirchen und Pfarrhäusern repariert, Autos für die Gemeindearbeit angeschafft oder Freizeiten mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt werden können. Immer öfter bitten die Partnerkirchen auch darum, sie in ihrer diakonischen Arbeit zu unterstützen – etwa, wenn, wie gerade im Libanon, geflüchtete Menschen untergebracht und versorgt werden müssen oder, wie in Venezuela, Erdbebenopfern beizustehen ist.

Warum engagiert sich das Gustav-Adolf-Werk für die Kirchen in der Diaspora und warum unterstützen viele Menschen hierzulande dieses Anliegen? Ganz einfach: Weil uns Christen die Sorge für unsere Glaubensgeschwister aufgetragen ist. Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth: „Solange wir also noch Zeit haben, wollen wir allen Menschen Gutes tun – vor allem aber denjenigen, die durch den Glauben mit uns verbunden sind.“ (Galater 6, 10, Basis Bibel). Der Name des Werkes erinnert übrigens an König Gustav II. Adolf von Schweden, der im Dreißigjährigen Krieg fiel und ohne den es in unserer Region wohl deutlich weniger Protestanten gäbe. (Inzwischen wissen wir auch um die Schattenseiten von Gustav Adolf und wurden immer mal wieder aufgefordert, einen neuen Namen für das Werk zu suchen. Dazu konnten wir uns aber nicht entschließen. Zum einen gibt es keinen Menschen ohne Fehler. Zum anderen hat der Name „Gustav-Adolf-Werk“ eine lange Tradition und besonders in unseren Partnerkirchen einen sehr guten Klang.)

Von den 50 Partnerkirchen in 40 Ländern in Europa, Lateinamerika und dem Nahen Osten bekommt das GAW und bekommen die Kirchen in Deutschland viel zurück. „Diaspora“, so sagen unsere Partner uns nämlich, „das sind nicht nur wir. Das seid auch ihr in Deutschland. Im Rheinland. Im Oberbergischen Land. In Waldbröl. Längst seid ihr keine Mehrheitskirche mehr und wendet gerade viel Kraft und Zeit auf, um das Kleinerwerden eurer Kirche zu gestalten. Vielleicht helfen euch ja unsere Erfahrungen als Minderheitskirchen. Erfahrungen, die in einigen Fällen über mehrere Jahrhunderte gesammelt wurden. Die wichtigste Erfahrung ist diese: Als Kirche kleiner zu werden oder klein zu sein, ist keine Katastrophe. Wir erfahren täglich, dass Gott das Kleine und Unscheinbare wertschätzt und schützt.“ Und dann machen die Partner uns noch auf etwas anderes aufmerksam. Etwas Grundsätzliches. Sie weisen nämlich darauf hin, dass das griechische Wort „Diaspora“ auf Deutsch nicht nur „Zerstreuung“, sondern auch „Aus-Saat“, „Ausstreuen“ oder „Einstreuen“ bedeutet. Auch in diesem Sinne sind wir alle Diaspora. Es ist nämlich der Auftrag aller Kirchen – ob groß oder klein, reich oder arm, anerkannt oder verfolgt – die Frohe Botschaft von Gottes Liebe einzustreuen in unsere Länder, Städte und Dörfer. Die Botschaft von Gottes Liebe in Jesus Christus, der unser einziger Trost im Leben und im Sterben ist (vgl. Frage 1 des Heidelberger Katechismus).

Ich freue mich darauf, mit Ihnen gemeinsam Gottesdienst zu feiern und ins Gespräch zu kommen.
Wir sehen uns am 6. September!

Herzlich Ihr Pfr. i.R. Dr. Martin Dutzmann

Präsident des Gustav-Adolf-Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland

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